Gute-Laune-Rezepte:

Typografie

Huren- und Waisenkinder

Vor langer Zeit als ich meine Ausbildung als Polygrafin begonnen habe, war alles neu für mich. Und die Druckwelt noch unbekannt. Ich bekam Übungen, die ich nachsetzen musste. Nachdem die Übungen erledigt waren, besprach ich diese mit meinem Berufsbildner, der dann immer von einem Hurenkind sprach. Ich wusste nicht, was das ist, und dachte mir, dass meine Umsetzungen nicht gut waren und er sich darüber furchtbar aufregte. Doch dann begann er auch von Waisenkindern zu sprechen und meine Verwirrung war noch grösser als zuvor. Mir war nicht klar, dass das Fachbegriffe aus der Typografie sind. Als Hurenkind wird die letzte Zeile eines Abschnitts bezeichnet, welche gleichzeitig auch die erste auf neuen Seite oder Spalte ist. Diese Zeile wird so genannt, weil sie ihren inhaltlichen Zusammenhang verloren hat. Und als Waisenkind, wird eine "verwaiste Zeile" eines neuen Absatzes bezeichnet, falls sie am Seiten- bzw. Spaltenende platziert ist und der Rest des Absatzes auf der Folgeseite oder -spalte zu finden ist. Dies und vieles mehr erfuhr ich in meiner ersten Schulwoche. Mein Fazit aus der ganzen Geschichte, frage immer nach, wenn du etwas nicht verstehst. Denn die Druckbranche hat zum Teil einige ungewöhnliche Fachausdrücke … How it works

Vierfarbendruck

Der verwirrende "4-farben" Druck

Als sich vor einiger Zeit jemand telefonisch betreffend Visitenkarten erkundigen wollte, hätte ich nicht gedacht, dass das Gespräch für mich in Ratlosigkeit enden würde. Sie würde gerne Visitenkarten drucken lassen, aber sie habe gesehen, dass wir nur vier Farben anbieten. Welche Farben das denn seien? Ich erklärte ihr, dass die Variante Vierfarbendruck heisst, weil man mit den vier Grundfarben druckt und so (fast) jede mögliche Farbe erzielen kann. Das heisst, sie muss sich bei der Gestaltung nicht nur auf vier Farben beschränken. Meine Erklärung hat aber nicht geholfen, die Fragen um „warum und weshalb nur vier Farben?“ gingen weiter. Ich war mit meinen Erklärungen und Umschreibungen am Ende, als sie meinte, sie würde nun ins Einkaufscenter gehen und sich dort die Visitenkarten beim Automaten ausdrucken. Die hätten mehr Auswahl als wir. Ich stimmte ihr schmunzelnd zu und verabschiedete mich. Später stellte ich mir eine Dame vor, die bei einem Visitenkarten-Automaten stand und ihre Ausdrucke, die mehr als vier Farben aufwiesen, stolz bewunderte. Es ist nicht für alle klar, was mit Vierfarbendruck gemeint ist. Aber bis dahin konnte ich das jedem verständlich erklären. Bis dahin... (How it works)

Plakatdruck

Drei Fragen an Fadil Zubaku, Plott/Digitaldruck

Was sind die aktuellen Trends im Plakatdruck?
… Schwierig zu sagen, es gibt so viele Möglichkeiten im Plakatdruck. Momentan testen wir ein neues Papier. Vorne ist es plastifiziert und hinten hat es einen starken Kleber, so können grossflächige Sticker gemacht werden. Stanzt man eine spezielle Form daraus aus, hat man etwas Einzigartiges. Vielleicht ist es schon der nächste Trend?!
Schon mal was von Duotones gehört?
Duotone, auch Duplex genannt ist keine neue Erfindung. Diese Technik kommt schon seit gut hundert Jahren zum Einsatz. Unter Duplexdruck versteht man im Allgemeinen dass ein Graustufen-Bild zusammen mit einer zweiten Farbe gedruckt wird. Anstelle des klassischen Duotones mit Schwarz und einer weiteren Farbe, werden heute auch Varianten des gleichen Farbtons oder zwei völlig unterschiedliche Kontrastfarben in der Gestaltung verwendet.
Was macht dir am meisten Freude bei der Arbeit?
Mir machen die schwierigen Sachen am meisten Spass. Je heikler und komplizierter etwas ist, desto konzentrierter muss man bei der Sache sein. Merci Fadil!

Fachbegriffe – Druckersprache


Juli 2017, Bern / druckeinfach.ch

Gott grüß die Kunst

Buchdrucker, Schriftsetzer, Lithografen und andere „Jünger der Schwarzen Kunst“ grüßten und grüßen sich bis in die Gegenwart sowohl mündlich als auch schriftlich mit dem Buchdruckergruß Gott grüß die Kunst ... Wikipedia.org|Druckwesen|Grußformel


Juli 2017, Bern / druckeinfach.ch

Augenpulver

Als Augenpulver bezeichnet man in der Typografie eine besonders klein oder eng gesetzte und damit schwer lesbare Schrift. Wikipedia.org|Typografie


August 2017, Bern / druckeinfach.ch

Blindfisch oder Zwiebelfisch

Blindfisch oder Zwiebelfisch nennen Schriftsetzer und Buchdrucker einzelne Buchstaben innerhalb eines Textes aus einer anderen Schrift. Wikipedia.org|Satz (Druck)|Druckfehler


September 2017, Bern / druckeinfach.ch

Hurenkind, auch Hundesohn, oder Witwe

Hurenkinder gelten in der Typografie als schwere handwerkliche Fehler, die den Lesefluss und die Eleganz des Satzspiegels besonders stark beeinträchtigen. Dies ist der Fall wenn die letzte Zeile eines Absatzes, zugleich die erste einer neuen Seite oder Spalte ist. Sie wird so genannt, weil ihr der inhaltliche Zusammenhang verloren gegangen ist. ... Wikipedia.org|Druckwesen|Typografie


September 2017, Bern / druckeinfach.ch

Waisenkind oder Schusterjunge

Als Waisenkind bzw. Schusterjunge wird die erste Zeile eines Absatzes bezeichnet, die allein am Ende einer Satzspalte/Seite, also "verwaist" platziert wurde. Wikipedia.org|Typofehler


September 2017, Bern / druckeinfach.ch

Bleilaus

Die Bleilaus ist ein Berufsscherz des Druckwesens, über ein nicht existierendes Lebewesen [leider bereits ausgestorben]. Ausserdem bezeichneten sich scherzhaft auch Fachkräfte der Druckindustrie, die den Beruf des Schriftsetzers gelernt hatten als Bleiläuse. Wikipedia.org| Fiktives Tier | Humor | Satz


Oktober 2017, Bern / druckeinfach.ch

Offene Daten

Digitale Daten können in zwei Formaten geliefert werden: Als «offene» Datei oder PDF-Datei. Alle Dateien, die in Ihrem (Ursprungs-) Layoutprogramm wieder zu öffnen sind, bezeichnet man als «offene» Dateien. Der Vorteil: Die Daten können bei uns in der Druckerei korrigiert und für verschiedene andere Aufträge weiterverwendet werden.
Unter «geschlossene» Datei fallen Postscript-, PDF- und EPS-Daten.


November 2017, Bern / druckeinfach.ch

Beschnitt und Blitzer

Der Beschnitt ist der Papierrand eines Druckerzeugnisses, der über das für das Endprodukt vorgesehene Mass hinausgeht. Notwendig ist der Beschnitt aus technischen Gründen. Die randabfallenden Bilder oder Flächen ohne Beschnitt führen zu Schneidefehlern, den sogenannten Blitzern (weisse unbedruckte Ränder). Deshalb werden Bilder oder Flächen im Anschnitt in der Regel mit 3 mm Beschnittzugabe platziert. Facebook| Tutorial | Beschnitt | Blitzer


November 2017, Bern / druckeinfach.ch

randabfallend

Als «randabfallend» werden Elemente auf einer Seite bezeichnet, die bis zum Papierrand gedruckt werden sollen. Damit es beim Zuschneiden des Stapels nicht zu weissen Papierblitzern kommt, müssen randabfallende Elemente im Layoutprogramm an allen vier Rändern 3 mm (= Standardwert) über den Seitenrand hinaus angelegt werden. Reicht das Element nur bis zum Rand, ist nach dem Schneiden noch Papier sichtbar: es entsteht ein «Blitzer».